plus 2 – 2003/2004 Jänner
Wissenschaft ist schön…
Augäpfel und Ohrenschmetterlinge – Fingerblüten, Handbäume und Nasensteine: In den Bildern von Brigitte Eckl ist die Natur neu formiert.
Diese Welt der Malerin und Grafikerin Brigitte Eckl konnte man im Herbst 2003 in der Hypo-Galerie kennenlernen. Die surrealistisch anmutenden Bilder sind auf beinahe „altmeisterliche Weise“ gemalt, so Roland Haas, Rektor der Universität Mozarteum, bei der Eröffnung der Ausstellung: Man merkt, die Künstlerin schaut genau hin, achtet auf die kleinen Details.
Genau hinzuschauen hat sie unter anderem beim Studium der Biologie und Erdwissenschaften an der Uni Salzburg gelernt (Sponsion 1983), aber auch an der Internationalen Sommerakademie für Bildende Kunst in Salzburg und in anderen Kunstkursen. Seit 1990 beschäftigt sich Brigitte Eckl mit Malerei und Grafik. Seit 1997 ist sie Mitglied der Berufsvereinigung der bildenden Künstler und stellt aus.
Wie nehmen wir wahr und wodurch? Das ist eine Frage, die man sich vor den Bildern von Brigitte Eckl – sie ist verheiratet mit dem Genetiker Peter Eckl und Mutter zweier Kinder – immer neu stellt. Die Augen, mit denen wir eine Landschaft sehen, blicken uns aus den Bildern an, die Ohren und Nasen ihrer Kinder sind zu Teilen neuer Landschaften geworden. Brigitte Eckl bildet aus ihren eigenen Fingern Blütenkelche. Es sind genaue „Naturstudien, zusammengesetzt zu neuer Natur“, so Haas, der darin einen zukunftsweisenden Ansatz in der bildenden Kunst entdeckt.
Salzburger Volkszeitung, 25. September 2003
Wissenschaft und Poesie
Hypo-Galerie, Romanischer Keller: Brigitte Eckl, „Welt der Sinne“
Bei der Vernissage der Ausstellung „Welt der Sinne“ von Brigitte Eckl in der Hypo-Galerie, dem Romanischen Keller am Waagplatz, setzte sich der Rektor der Universität Mozarteum, Roland Haas, wohltuend frei von akademischer Formulierung mit dem Werdegang und Werk der Künstlerin auseinander. Brigitte Olga Maria Eckl wurde 1957 in Wien geboren. Die Studien an der Universität Salzburg in den Fächern Biologie und Geologie schloss sie als Magister ab. Die wissenschaftlichen Ambitionen mussten gegenüber den Pflichten in kinderreicher Ehe zurückstehen. Nie auf Eis gelegt war das Streben nach künstlerischer Reife. Der Durchbruch gelang bei Ausstellungen in den Neunziger Jahren.
Die in der Hypo-Galerie gezeigten Arbeiten vertreten die Grundidee einer Zusammenführung von wissenschaftlicher Kenntnis und Poesie. Die auf feinem Stoff gelagerten „Augäpfel“ gehören zu der Spezies einäugiger Köpfe. Sie erscheinen gar nicht fremd, man muss nur imstande sein, mit den Tast- Hör- und Sehorganen die Welt als Ganzheit zu erfassen. Die Biologin Brigitte Eckl geht bei ihren Stillleben und Landschaften mit altmeisterlicher Sorgfalt auf die geringsten Details ein. Ihr Blick dringt allerdings zu tieferen Regionen vor.
Bezaubernd die Portraits der Kinder und Selbstportraits. Rund um das zarte Gesicht von „Judith“ schwirren Ohrenschmetterlinge, die ihr süße Geheimnisse zuflüstern. In Selbstbildnissen bekunden vom Kopf ausgesandte Augen und Ohren die Gabe außergewöhnlicher Feinfühligkeit oder bestätigt eine aus zehn Fingern geformte Halskrause den überdurchschnittlich ausgeprägten Tastsinn. „Der ewige Kreislauf“ und „Blumenteppich“ in Aquarell, „Fingerblüte“ in Öl deuten nochmals die Magie einer Weltanschauung mit Einsatz aller Sinne.
Robert Wolf
Salzburger Nachrichten, 23. April 1998
Exakter Plan wird mit viel Gefühl belebt
Kulturfonds Künstlerportrait – Brigitte Eckl holt sich Inspirationen aus der Natur und aus der Familie
Hallwang. Intensiv beschäftigt sich Brigitte Eckl seit 1990 mit Kunst. Zunächst entstanden Zeichnungen in Grafiken und Bleistift nach Motiven, die sich in der Familie fanden: Portraits der beiden Kinder, die eigene Hand, das Ohr, die Füße des Ehemanns. Es folgten Kurse an der Internationalen Sommerakademie der Bildenden Künste: Ein Aktkurs bei Isabel Quintanilla und ein Grafikworkshop bei Eva Möseneder, Anton Drioli und Uwe Bremer. Seit 1997 ist die Biologin Brigitte Eckl Mitglied der Berufsvereinigung der bildenden Künstler und ausschließlich Malerin.
Auch als solche bleibt sie, wenn sie ihre phantasievollen Bilder mit dem strengen Bildaufbau und der soghaften Tiefenwirkung in Aquarellfarbe taucht, immer Grafikerin. Mit feinsten Pinseln wird die Farbe wohlüberlegt in zahlreichen Schichten aufs Papier gebracht. Beim Schaffensakt wird nichts dem Zufall überlassen. Humorvoll setzt Brigitte Eckl die Körper-Teilstudien in die Natur und zeigt sie als aufblühende Knospen, Blätter, Pilze. Bis zu zwei Monate arbeitet sie an einem Bild. Verschmitzt lächelnd meint die Künstlerin: „Jetzt bin ich aber gerade an einer Serie, die weniger arbeitsaufwändig ist“ und holt aus ihrer Mappe Portraits hervor, die jede Augenfalte, jede Hautunebenheit wiedergeben und den Gesichtsausdruck des Modells fast fotografisch dokumentieren.